Ein kurzer Seitenhieb auf X hat sich innerhalb weniger Tage zu einem weitreichenden öffentlichen Streit um Monte entwickelt. Mehrere ehemalige Spieler berichten von verspäteten oder noch ausstehenden Zahlungen, während die ukrainische Organisation ihrerseits schwere Vorwürfe rund um den damaligen Wechsel zu Luminosity erhebt. Parallel dazu ist mit B8 inzwischen eine zweite ukrainische Organisation in die Auseinandersetzung geraten.
Den Anfang nahm die Geschichte nach der Versetzung von Aurimas „Bymas“ Pipiras auf die Bank bei Luminosity. Der Litauer war erst Anfang Juli gemeinsam mit afro, AZUWU und Rainwaker aus dem vorherigen Monte Lineup zur nordamerikanischen Organisation gewechselt. Gizmy ging diesen Weg nicht mit und schloss sich stattdessen 100 Thieves an, während bei Luminosity lux die Rolle des IGL übernahm.
Der Neustart verlief sportlich allerdings enttäuschend. Nach zwei letzten Plätzen bei der XSE Pro League Guangzhou und dem Esports World Cup setzte Luminosity Bymas bereits am 24. August auf die Bank. Der 23-Jährige reagierte selbstkritisch, bedankte sich bei der Organisation und seinen Teamkollegen und kündigte an, weiter an sich arbeiten zu wollen. Sein ehemaliger Arbeitgeber Monte kommentierte das Statement dagegen lediglich mit „Shit happens“ und mehreren lachenden Emojis.
Was zunächst wie ein kleiner Seitenhieb wirkte, entwickelte sich zwei Tage später zu einer deutlich größeren Auseinandersetzung.
Monte erhebt Vorwürfe gegen das ehemalige Team
Monte CEO Dmytro Vovk veröffentlichte ein Video, in dem er ausführlich über die Trennung vom ehemaligen Lineup sprach. Nach Darstellung der Organisation liefen bereits Monate vor dem IEM Cologne Major Gespräche über Vertragsverlängerungen mit Bymas, afro und AZUWU. Gleichzeitig sollen die Spieler und ihre Agenten bereits an einem Wechsel zu Luminosity gearbeitet haben.
Monte behauptet, dass entsprechende Verträge noch vor dem Ende des Majors unterschrieben wurden, während die Gespräche mit der bisherigen Organisation weiterliefen. Besonders problematisch sei aus Sicht von Monte gewesen, dass nicht nur die Organisation, sondern auch Gizmy über die Pläne seiner Teamkollegen im Unklaren geblieben sei.
Diese Darstellung kommt nicht vollständig aus dem Nichts. Gizmy hatte bereits nach Bekanntwerden des Wechsels Anfang Juli selbst erklärt, dass ihm seine Teamkollegen erst nach dem Major von ihrem Wechsel zu Luminosity erzählt hätten und die Verträge zu diesem Zeitpunkt bereits unterschrieben gewesen seien. Welche Gespräche zuvor zwischen den Spielern, ihren Agenturen, Monte und Luminosity stattgefunden haben, lässt sich anhand der öffentlich verfügbaren Informationen allerdings nicht vollständig rekonstruieren.
Bymas macht finanzielle Probleme öffentlich
Nur wenige Minuten nach der Veröffentlichung von Montes Video reagierte Bymas mit einem ausführlichen Statement. Damit verschob sich die Diskussion schlagartig von den Umständen des Wechsels hin zur finanziellen Situation zwischen Monte und mehreren ehemaligen Spielern.
Bymas behauptet, dass ihm die Organisation noch einen Betrag im fünfstelligen Dollarbereich schulde. Dabei gehe es nach seiner Darstellung um mehrere monatliche Zahlungen, Performance Boni, Turnierpreisgelder und seinen Anteil an den Einnahmen der Team Sticker des IEM Cologne Majors. Turnierpreisgeld habe er seit 2025 nicht mehr erhalten, außerdem würden nach seinem Kenntnisstand weitere ehemalige Spieler und der damalige Coach noch auf erhebliche Beträge warten.
Monte owes me tens of thousands of dollars, plus my share of Monte’s Major team sticker revenue.
BymasXFür Bymas geht es dabei nicht nur um einzelne verspätete Überweisungen. Zahlungsprobleme seien während seiner Zeit bei Monte wiederholt aufgetreten, das Team habe mehrfach nachgefragt und immer wieder die Zusage erhalten, dass sich die Situation verbessern werde. Mit der Zeit habe dies das Vertrauen in die Organisation beschädigt und letztlich auch seine Entscheidung beeinflusst, seinen auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern.
Genau deshalb widerspricht Bymas auch der Darstellung, die Spieler hätten Monte durch ihren Wechsel zu Luminosity verraten. Nach wiederkehrenden Problemen mit Zahlungen habe das Team aus seiner Sicht das Recht gehabt, sich für eine andere sportliche Zukunft zu entscheiden. Zusätzlich verwies er darauf, dass Monte nach dem Major erhebliche Einnahmen durch Spielertransfers erhalten habe, während ehemalige Spieler und Mitarbeiter nach seiner Aussage weiterhin auf Geld warteten.
Monte reagierte erneut öffentlich und stellte zunächst die Darstellung seines ehemaligen Spielers infrage.
Good text. You can tell it was approved by the agent. A two-week delay in salary payments is, of course, incredibly critical and painful… 😭
MonteXDie Reaktion sorgte für zusätzliche Kritik aus der Szene. STYKO merkte sinngemäß an, dass Bymas nach dieser Logik während der zwei Wochen ebenfalls einfach nicht zum Training oder zu Turnieren hätte erscheinen können, seine Verpflichtungen gegenüber der Organisation aber offenbar trotzdem weiter erfüllt habe.
Monte bestätigt Verzögerungen, widerspricht aber den Forderungen
Gegenüber HLTV äußerte sich Monte anschließend ausführlicher. Die Organisation bezeichnete die Behauptung, Bymas mehrere zehntausend Dollar zu schulden, als falsch und erklärte, dass Spieler bei Verstößen gegen ihre Verträge mit Geldstrafen belegt worden seien. Auch bei der Frage nach den Einnahmen aus dem neuen Major Sticker System sieht Monte die Situation anders und bestreitet, dass die von Bymas genannten Ansprüche so eindeutig bestehen.
Dass es Zahlungsverspätungen gegeben hat, bestreitet Monte allerdings nicht. Als Gründe führte die Organisation unter anderem verspätete Transferzahlungen und Sponsorengelder an. Die Spieler seien über die Situation informiert gewesen und hätten ihre Unzufriedenheit laut Monte nicht persönlich gegenüber CEO Vovk geäußert.
Weitere ehemalige Spieler melden sich zu Wort
Für Monte wurde die Situation vor allem dadurch schwieriger, dass Bymas mit seinen Aussagen nicht alleine blieb. Rainwaker bestätigte öffentlich, dass auch bei ihm noch Zahlungen offen seien. Seine Aussage bezog sich konkret auf Preisgelder aus seiner gesamten Zeit bei Monte.
Totally agree with Bymas. It sucks that it had to become public, but same here, I still haven’t received any of the prize pool for my time with Monte.
RainwakerXAuch AZUWU bestätigte mehrere verspätete Zahlungen und widersprach gleichzeitig einem Teil von Montes Darstellung der Vertragsverhandlungen. Nach eigener Aussage habe er keinen schriftlichen Entwurf für eine Vertragsverlängerung erhalten. Stattdessen habe es lediglich einen mündlichen Vorschlag gegeben, seinen Vertrag bis zum Ende des Jahres zu denselben Bedingungen fortzuführen, zu denen er ursprünglich zu Monte gekommen war.
AZUWU forderte Monte öffentlich dazu auf, zunächst die aus seiner Sicht offenen Beträge gegenüber den ehemaligen Spielern zu begleichen, bevor ein neues Team verpflichtet werde. Sein vollständiges Statement ist auf X abrufbar.
Auch afro meldete sich zu Wort und stellte sich hinter die Entscheidung des ehemaligen Teams. Er betonte weiterhin seinen Respekt für Monte und die gemeinsame Zeit, bezeichnete das Verhalten der Organisation in der jüngeren Vergangenheit jedoch als respektlos. Die Community solle die nun bekannt gewordenen Informationen berücksichtigen, bevor sie über den damaligen Wechsel zu Luminosity urteile. Sein Statement findet sich ebenfalls direkt auf X.
Nicht jeder ehemalige Monte Spieler schildert allerdings dieselben Erfahrungen. kRaSnaL, der bereits Ende 2024 bei der Organisation ausschied, erklärte öffentlich, während seiner Zeit keinerlei finanzielle Probleme gehabt und alle ihm zustehenden Zahlungen erhalten zu haben. Seine Zeit bei Monte liegt allerdings deutlich vor dem Zeitraum, auf den sich die aktuellen Vorwürfe von Bymas, Rainwaker und AZUWU beziehen.
Rainwakers Agent erhöht den Druck
Am Donnerstag schaltete sich zusätzlich Asgeir „Ashy“ Kvalvik von der ULTI Agency ein, die Rainwaker vertritt. Nach Angaben des Agenten hatte der Bulgare bei seinem Wechsel zu Luminosity noch ungefähr sechs Monate Vertrag bei Monte. Für seine Freigabe habe Monte einen Buyout erhalten, der laut Kvalvik mehreren Jahren von Rainwakers Grundgehalt entsprochen habe.
Trotz dieser Zahlung seien nach Darstellung der Agentur weiterhin Gehalt, Preisgeld und Anteile an digitalen Einnahmen rund um das Cologne Major offen. Die konkrete Höhe des Buyouts und die von Kvalvik genannten Forderungen lassen sich anhand öffentlich zugänglicher Vertragsunterlagen derzeit nicht überprüfen.
Der Agent ging mit seiner Kritik noch einen Schritt weiter. Solange die aus seiner Sicht bestehenden Schulden gegenüber Spielern nicht beglichen seien, sollte Monte seiner Meinung nach nicht an Turnieren teilnehmen dürfen. Außerdem hoffe er, dass Spieler und Agenturen bis zu einer Klärung keine neuen Geschäfte mit der Organisation eingehen.
Parallel eskaliert der Streit mit B8
Während Monte bereits mit seinen ehemaligen Spielern im öffentlichen Schlagabtausch steckte, entstand auf X ein zweiter Konflikt. Dieses Mal ging es um B8, ebenfalls eine ukrainische Organisation. Der Hintergrund ist deutlich sensibler als gewöhnliches Social Media Trolling, da sich die Diskussion um den Umgang ukrainischer Esports Organisationen mit russischen Spielern und Strukturen dreht.
Monte CEO Dmytro Vovk hatte B8 vorgeworfen, bei internationalen Turnieren einen zu freundschaftlichen Umgang mit russischen Spielern zu pflegen. Dabei wurden unter anderem Kontakte zu Spielern aus der russischen Szene und Begegnungen hinter den Kulissen thematisiert. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine wird innerhalb des ukrainischen Esports intensiv darüber diskutiert, welche Kontakte zu russischen Spielern akzeptabel sind und wie mit Organisationen umgegangen werden sollte, die aus der russischen Esports Szene stammen oder weiterhin enge Verbindungen dorthin besitzen.
Dabei geht es nicht nur um die Nationalität eines Spielers. Auch persönliche Kontakte bei Turnieren, gemeinsames Spielen auf FACEIT, Transfers und mögliche wirtschaftliche Beziehungen zwischen ukrainischen und russischen Esports Strukturen können innerhalb der ukrainischen Community kontrovers diskutiert werden.
B8 reagierte auf die Vorwürfe von Vovk zunächst mit Memes und nutzte anschließend die inzwischen öffentlich gewordene Diskussion über Montes Finanzen für einen direkten Konter.
good luck building a squad of 5 with the budget of 1 💀
B8XDie Spitze zielte auf die Vorwürfe der ehemaligen Monte Spieler und darauf, dass die Organisation derzeit ein neues Lineup zusammenstellen muss. Monte antwortete wiederum mit dem Vorwurf, B8 hole selbst günstige junge Spieler aus russischen Organisationen und veröffentlichte weitere sarkastische Beiträge über die Verbindungen des Konkurrenten zur russischen Szene.
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