Interview Redaktion

BIG präsentiert RAZED als Hauptpartner und stellt neues Jersey vor

BIG präsentiert RAZED als Hauptpartner und stellt neues Jersey vor

BIG hat RAZED als neuen Hauptpartner seines Counter-Strike-2-Teams vorgestellt. Der Glücksspielanbieter erhält die prominenteste Werbefläche auf dem Trikot und soll außerdem in internationale Kampagnen, Contentformate und Community-Aktionen rund um den BIG CLUB eingebunden werden. Gleichzeitig präsentierte die Berliner Organisation ihr neues CS2-Jersey für die Saison 2026/27.

„Save us, RAZED“

Die Bekanntgabe erfolgte nicht durch eine gewöhnliche Sponsorenpräsentation, sondern mit einem bewusst selbstironischen Video. BIG kommentierte die Partnerschaft mit den Worten:

„Making Majors without sticker money is f*cking expensive. Save us RAZED.“

Der Witz richtet sich gegen die schwierige wirtschaftliche Lage vieler Esport-Organisationen. Ein Major zu spielen bedeutet nicht automatisch, dass eine Organisation anschließend im Geld schwimmt. Gehälter, Trainer, Management, Reisen, Bootcamps und Contentproduktionen müssen dauerhaft finanziert werden. Die Sticker-Einnahmen sind zwar wichtig, aber nicht ausreichend planbar, um darauf ein vollständiges Geschäftsmodell aufzubauen.

Das „Save us“ ist deshalb bewusst übertrieben: RAZED wird im Video scherzhaft nicht nur als Sponsor, sondern als finanzieller Retter dargestellt. Auch blameF griff die Pointe auf und bedankte sich öffentlich dafür, dass RAZED BIG „gerettet“ habe.

Hinter dem lockeren Gag steckt damit eine ziemlich ehrliche Botschaft: Selbst eine der bekanntesten deutschen Esport-Organisationen ist darauf angewiesen, regelmäßig neue Geldgeber zu finden.

Neues Trikot mit RAZED im Mittelpunkt

Passend zur Partnerschaft stellte BIG auch das neue CS-Jersey 2026/27 vor. Das Shirt bleibt den klassischen Farben der Organisation treu, wirkt durch den dunklen Blauton, das geometrische Streifenmuster und die weißen Linien an Schultern und Seiten aber moderner als sein Vorgänger.

Auf der Rückseite befinden sich Spielername und Rückennummer. Unterhalb des Kragens steht weiterhin der BIG-Schriftzug „The Pride of Germany“. Angeboten wird das Trikot als Oversized-Version, die im offiziellen Shop für 74,99 Euro gelistet ist und mit eigenem Namen sowie eigener Nummer personalisiert werden kann.

Die wichtigste Veränderung befindet sich allerdings auf der Vorderseite: Das RAZED-Logo nimmt nahezu die gesamte zentrale Brustfläche ein. Der neue Partner wird damit nicht irgendwo auf einem Ärmel versteckt, sondern zum dominierenden Bestandteil des Trikots.

Gerade bei einem Glücksspielpartner ist das relevant. Die Spieler tragen die Marke künftig bei Turnieren, Interviews und Social-Media-Produktionen. Gleichzeitig werden Fans, die das Jersey kaufen und tragen, selbst zu Werbeträgern für ein Onlinecasino. Die Glücksspielmarke wird damit unmittelbar mit BIG, den Spielern und der Identität des Teams verbunden.

Wer ist RAZED?

RAZED ist eine internationale Glücksspielplattform mit starkem Krypto-Fokus. Angeboten werden unter anderem Sport- und Esportwetten, Slots, Live-Casinospiele sowie schnelle Formate wie Plinko, Mines oder Dice. Im Counter-Strike-Esport ist das Unternehmen bereits durch eine Partnerschaft mit HEROIC aktiv. Dort werden neben gemeinsamen Inhalten auch spezielle Wettaktionen rund um die Matches des Teams angeboten.

Betrieben wird die Plattform laut den eigenen Geschäftsbedingungen von der in Costa Rica registrierten Wild Technology Ltd. RAZED besitzt eine Glücksspiellizenz der autonomen Insel Anjouan, die zur Union der Komoren gehört. Eine deutsche oder europäische Lizenz ist das nicht.

In der aktuellen deutschen Whitelist der erlaubten Glücksspielanbieter findet sich weder RAZED noch die Betreiberfirma. Die Liste wurde zuletzt am 21. Juli 2026 aktualisiert. Das bedeutet nicht automatisch, dass die internationale Partnerschaft als Ganzes unzulässig ist. Bei Werbung, Verlinkungen und Aktionen, die sich gezielt an deutsche Nutzer richten, entstehen dadurch aber deutliche rechtliche und regulatorische Fragen.

Was ist aus der Zusammenarbeit mit MERKUR geworden?

RAZED ist nicht der erste Glücksspielpartner von BIG. Im November 2025 startete die Organisation bereits eine Zusammenarbeit mit der deutschen MERKUR-Gruppe. Im Mittelpunkt standen sechs geplante MERKUR Cash Cups im BIG CLUB. BIG kündigte damals ausdrücklich Identitäts- und Altersprüfungen für die Turniere an.

Eine offizielle Mitteilung über ein Ende dieser Zusammenarbeit ist nicht öffentlich auffindbar. Ob MERKUR über die angekündigte Turnierserie hinaus weiterhin als aktiver Partner eingeplant ist, lässt sich derzeit jedoch nicht eindeutig bestätigen.

Die Zusammenarbeit wirkte nach außen deutlich vorsichtiger als der neue RAZED-Deal. MERKUR trat vor allem als Namensgeber einer Turnierserie auf, betonte Nachwuchsförderung, einen deutschen Wettbewerb sowie Alterskontrollen. RAZED wird dagegen Hauptpartner des Profi-Teams, landet groß auf dem Trikot und soll stärker in Content und internationale Vermarktung eingebunden werden.

MERKUR deshalb als bewusst gewählten „seriösen Einstieg“ zu bezeichnen, wäre Spekulation. Die Außenwirkung war aber eindeutig kontrollierter. MERKUR ist eine bekannte deutsche Unternehmensgruppe, die in einem stark regulierten Markt tätig ist. Trotzdem bleibt auch MERKUR ein Glücksspielunternehmen. Der Unterschied liegt somit weniger zwischen Glücksspiel und Nicht-Glücksspiel, sondern vor allem in Regulierung, Präsentation und Intensität der Werbung.

Mehr als nur verlorenes Geld

Die Kritik an solchen Partnerschaften ist nicht bloß moralische Empörung. Glücksspielsucht kann zu Schulden, Arbeitsplatzverlust, zerbrochenen Beziehungen, psychischen Erkrankungen und sozialer Isolation führen.

Die Weltgesundheitsorganisation nennt neben finanzieller Not und familiären Konflikten ausdrücklich psychische Erkrankungen und Suizide als mögliche Folgen problematischen Glücksspiels. Gleichzeitig warnt sie davor, dass Sponsoring und Werbung Glücksspiel immer stärker normalisieren.

Natürlich lässt sich ein Suizid normalerweise nicht auf eine einzige Ursache reduzieren. Trotzdem können Spielsucht, massive Schulden, Scham und Hoffnungslosigkeit einen entscheidenden Anteil daran haben, dass Betroffene keinen Ausweg mehr sehen.

Gerade deshalb ist die Verbindung mit dem Esport problematisch. Glücksspiel erscheint nicht als abstraktes Casinoangebot, sondern zusammen mit bekannten Spielern, unterhaltsamen Videos, Turnieren und Fanartikeln. Der neue Anbieter wird nicht als Gefahr präsentiert, sondern als sympathischer Retter des eigenen Lieblingsteams.

Damit bekommt auch der Satz „Save us RAZED“ eine unangenehme zweite Ebene: Das Unternehmen rettet im Video die Organisation – das Geld dafür entsteht aber letztlich durch die Verluste der Spieler. Dazu gehören zwangsläufig auch Menschen, die nicht mehr aus reinem Spaß spielen und ihre Einsätze nicht mehr kontrollieren können.

Ohne solche Partner kaum noch konkurrenzfähig?

Zur Wahrheit gehört allerdings auch die andere Seite. Der professionelle Esport hat im Vergleich zum klassischen Spitzensport deutlich schwächere Einnahmen aus TV-Rechten, Eintrittskarten oder langfristig stabilen Ligaausschüttungen. Sponsoring gehört deshalb zu den wichtigsten Einnahmequellen der Branche.

Eine Organisation, die international mithalten möchte, muss gute Spieler bezahlen, Trainer und Analysten beschäftigen, Bootcamps durchführen und Teams zu Turnieren auf der ganzen Welt schicken. Fallen große Sponsoren weg, bleiben häufig nur Einsparungen, schlechtere Kader oder die vollständige Schließung einer Abteilung.

Glücksspielanbieter verfügen zugleich über hohe Marketingbudgets und haben ein starkes Interesse an der jungen, digital erreichbaren Esport-Zielgruppe. Für Organisationen entsteht dadurch ein Dilemma: Lehnen sie solche Partner ab, müssen sie möglicherweise gegen Teams antreten, die durch Wettanbieter, Kryptounternehmen oder staatlich finanzierte Projekte wesentlich größere Budgets besitzen.

Zu sagen, dass ohne Glücksspielunternehmen überhaupt kein professioneller Esport möglich wäre, ginge zu weit. Im derzeitigen System wird es für viele Organisationen ohne solche Geldgeber aber zunehmend schwierig, auf dem höchsten Niveau mitzuhalten.

Verständlich – aber nicht unproblematisch

Der RAZED-Deal ist aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar. BIG erhält vermutlich dringend benötigte Planungssicherheit, während RAZED Zugriff auf eine große Counter-Strike-Community und eine der bekanntesten deutschen Esport-Marken bekommt.

Das neue Jersey macht jedoch deutlich, wie weit diese Zusammenarbeit geht. RAZED steht nicht am Rand, sondern prägt künftig den visuellen Auftritt des CS2-Teams. Spieler und Fans tragen die Marke damit in die Öffentlichkeit.

Beide Seiten der Diskussion können gleichzeitig stimmen: BIG benötigt finanzstarke Sponsoren, um international konkurrenzfähig zu bleiben. Glücksspiel kann zugleich Existenzen zerstören und im schlimmsten Fall dazu beitragen, dass Menschen keinen anderen Ausweg als den Tod sehen.

 

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur, ob BIG einen solchen Partner annimmt. Entscheidend wird sein, wie aggressiv RAZED beworben wird, ob Minderjährige tatsächlich geschützt werden und ob BIG bereit ist, Verantwortung auch dann ernst zu nehmen, wenn der Sponsor einen erheblichen Teil des professionellen Betriebs finanziert.

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